Bilder und Worte, Gesten und Rituale

von Dr. Donata Dörfel aus den Paulus Blättern März 2016, Seite 2-3

Als Achtjährige kletterte ich bis zur obersten Reihe des Bücherregals. Durch die schön gestaltete Kinderbibel und viele Kirchenlieder war mein Interesse geweckt und meine Fantasie beflügelt. Nun angelte ich mir aus dem Regal das dicke Buch „Die Sache mit Gott“, weil ich’s genau wissen wollte. Doch die frisch erworbenen Lesekünste nützten gar nichts. Ausführungen des evangelischen Theologen Heinz Zahrnt zur protestantischen Theologie des 20. Jahrhunderts sagten mir nichts, und die Erwachsenensprache ließ meinen kindlichen Wissensdurst ungestillt.

So richtete ich die Frage nun an meine Mutter: „Mama, was ist Gott?“ Ihre Antwort war überraschend, offen und weise. Sie sagte: „Ich weiß es nicht genau. Aber wir können uns gemeinsam auf den Weg machen, Gott zu entdecken.“ Das war der Auftakt einer lebenslangen Entdeckungsreise. Bis heute bin ich ihr dankbar, dass sie mich damals nicht mit einer „fertigen“ Antwort abgespeist hat, sondern zur eigenen Wachheit und zum Dialog einlud.

In den gemeinsamen Jahren haben wir hunderte von evangelischen Gottesdiensten und katholischen Messen, eine griechisch orthodoxe Osternacht, Klöster und Kommunitäten besucht, gebetet und die Bibel studiert. Vor allem durch die Musik haben wir uns in das Glaubenszeugnis der Vorfahren hinein geschwungen, Muslime beim Beten beobachtet und Hindus bei ihren Abschiedszeremonien am Ganges. Wir folgten der Einladung zum gemeinsamen Meditieren mit Buddhisten, erlebten evangelische Kirchentage und brachten uns aktiv in die lokale Gemeinde ein.

Auf meine Antwort aus Kindertagen fand ich vielfältige Antworten. Doch wichtiger als sie alle ist mir die Grundhaltung des Entdeckens, die meine Mutter mir damals mitgegeben hat und das Bewusstsein: Gott ist nichts Fertiges. Gott ist immer im Werden, und wir sind ein Teil dieses Werdens. Diese Einsicht hat durch mein Theologiestudium und die tägliche Bibellektüre noch gewonnen. Sie wurde mir zu einem Schlüssel, um Gott als Grund und Sinn, Jesus als Bruder und Vorbild und den Heiligen Geist als schöpferische Kraft des Lebens zu entdecken.

Ganz konkret wurde dieses Bekenntnis für mich, als unsere Kinder in mein Leben traten: Deutliche Persönlichkeiten, die mit eigenen Interessen und Möglichkeiten in die neue Zeit hineinwachsen, meine Treue und Verbindlichkeit herausfordern, genau beobachten und uns den Spiegel vorhalten. Mit ihren Fragen mein eigenes Nachforschen anspornen, mit einem frischen kreativen Potential auf Fragen und Nöte der Gegenwart zugehen und in eine offene, sie fordernde Zukunft hineinwachsen. Ihre Kindheitsjahre waren begleitet von Kinderbibeln und Kindergottesdiensten, von freiem Gestalten um die biblischen Geschichten, von abendlichem Singen und Segensgesten.

Jetzt als Jugendliche stehen sie durch den Gebrauch des Internet in einer Vielfalt von Bildern und Botschaften. Unterscheidungskraft und Willensstärke sind gefragt, um da nicht unterzugehen, sondern den Zugang zu den eigenen inneren Bildern und Erfahrungen offen zu halten. Einzig die Liebe und Wertschätzung, die jede/r Einzelne in der Familie, der Schule, dem Freundeskreis erfährt, kann zum Bestehen in dieser Fülle befähigen.

Ich bin überzeugt, dass das kreative Potenzial jedes Menschen genauso wichtig ist für das Leben und das Überleben auf diesem Planeten, wie die ethischen Regeln, die unsere Vorfahren im Glauben übermittelt haben und die in der Aufforderung zur Nächsten- und Feindesliebe gipfeln. In unseren Kitas und im Konfirmandenunterricht entdecken wir gemeinsam Bilder der Bibel, das Leben und die Botschaft Jesu, das Zeugnis der Kirche durch zweitausend Jahre. Die vielen Flüchtlingskinder in unserem Land bringen dazu ihre Erfahrungen des Verlustes, der Flucht, aber auch des intensiven Familienzuammenhaltes mit, deutsche Kinder vielfach die unterschiedlichen Erfahrungen des Miteinander in Patchwork-Familien und die im Wohlstand gewachsenen Ansprüche.

Was geben wir ihnen mit als Eltern und Weggefährten? Wie ermöglichen wir ihnen, die von Gott geschenkte Kreativität und Fantasie zu entfalten und zugleich die christliche Ethik als einen lebensförderlichen Handlungsrahmen zu entdecken? Diesen und weiteren Fragen möchten wir mit Ihnen nachgehen.

Kinderchor Paulinchen in der Pauluskirche

Erntedank-Familiengottesdienst

 

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